Artenschutzpaket des Bayerischen Landtags

Volksbegehren Artenvielfalt – Beschluss Bayerischer Landtag 17.07.19 

BUND Naturschutz sieht im Artenschutzpaket Aufbruch für die Rettung der Artenvielfalt in Bayern BN fordert Umsetzung ein und wird dies vor Ort begleiten.

„Wir begrüßen es sehr, dass die Mehrheit des Bayerischen Landtags den Willen der Bevölkerung für mehr Artenschutz verstanden hat und dies sogar mit einem weiteren Gesetz ergänzt hat“, freut sich Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN).

Das erfolgreichste Volksbegehren in Bayern, die weitgehend konstruktiven Diskussionen in den Facharbeitsgruppen und am Runden Tisch sowie die vielen vor Ort entstandenen Initiativen, sind ein starkes Hoffnungszeichen und ein gemeinsamer Aufbruch für die Rettung der bedrohten Artenvielfalt in Bayern, dem noch viele weitere Schritte folgen müssen.

„Dass im Landkreis Hof 13,9%  und in der Stadt Hof 10,5% der Bevölkerung für das Volksbegehren gestimmt haben, ist ein klarer Auftrag an die Politik und die Gemeinden, die gesetzlichen Verbesserungen nun auf allen Ebenen mit Leben zu erfüllen,“ sagt Ulrich Scharfenberg, Vorsitzender der Kreisgruppe Hof. „Für eine echte Trendwende im Naturschutz benötigen wir mehr Flächenschutz und Schutz der Natur vor Zerstörung, das heißt u.a. den Verzicht auf die Ortsumfahrungen Oberkotzau und Leimitz“.  Der BN Hof wird mit seinen Ortsgruppen die Umsetzung des Artenschutzpaketes konkret vor Ort begleiten und die nötigen Maßnahmen einfordern.

Unabhängig von den Gesetzen, die im Landtag beschlossen werden, sind für den BN auch grundlegende Änderungen der Rahmenbedingungen wichtig: „Viele Landwirte sind bereit für mehr Naturschutz, aber sie brauchen die richtigen Rahmenbedingungen“, so Mergner. „Wir erwarten daher von der Staatsregierung nun auch, dass sie aktiv an einer Ökologisierung der EU-Agrarpolitik arbeitet.“

Auch die Kommunen spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung: „Hier brauchen wir als wichtigen Rahmen eine gesetzliche Begrenzung des Flächenverbrauchs auf 5 ha/ Tag. Neubauten auf den grünen Wiese wie das Grüne Zentrum in Münchberg oder der Neubau eines großen Autohauses in Hof sind absolut kontraproduktiv“, so Scharfenberg.

“Ebenfalls die im  Landkreis Hof geplanten Frankenwaldbrücken mit der Überquerung und damit einhergehenden Beeinträchtigung – wenn nicht sogar Zerstörung – des größten im Landkreis liegenden Naturschutzgebietes im Höllental tragen nicht zur Rettung der Artenvielfalt bei, sondern bewirken genau das Gegenteil. Auch der gescheiterte Antrag auf ein Glyphosat Verbot auf verpachteten Landkreisflächen war ein falsches Signal. Hier erwarten wir ein klares Umdenken “, ergänzt Ulrich Scharfenberg.

Ein bitterer Wermutstropfen ist der Beschluss von CSU und FW zur Biotopkartierung: dieser Zusatzbeschluss erschwert künftig die Biotopkartierung, die eine zentrale Fach-Grundlage des Naturschutzes ist.

 

Analog Shoppen in Hof

ANALOG SHOPPEN IN HOF – TEIL 2

Nach dem Erfolg im letzten Jahr lädt der BUND Naturschutz Hof  zu seinem zweiten geführten Rundgang durch die Innenstadt ein, um „alten“ und neuen Hofern die Möglichkeiten zu zeigen, hier vor Ort in ihrer Stadt alle Waren des täglichen und nicht so alltäglichen Bedarfs einkaufen zu können. Den Teilnehmern werden unter anderem das letzte Hofer Kaufhaus, Inhaber geführte Geschäfte (oft recht exotisch) und die Fieranten des Hofer Wochenmarktes sowie kleine, versteckte Cafés, Wirtshäuser und historische Orte vorgestellt. Durch ihre Einkäufe können die Bewohner der Stadt nicht nur einen Beitrag zur Belebung und Verbesserung der Lebensqualität in ihrer Stadt leisten – sondern auch zum Erhalt eines vielfältigen Einzelhandelsangebotes beitragen. Denn lokal Einkaufen stärkt auch die hiesigen Hersteller und Händler.

Treffpunkt ist vor der Baugenossenschaft (ehemalige Sparkassenfiliale) gegenüber dem Katastrophenimbiss am Samstag, dem 20. Juli um 9 Uhr
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Ulrich Scharfenberg
Neuhausen 13
95111 Rehau
Tel.: 09287/8918888
email: uli.scharfenberg@googlemail.com

Perlmuschel-Nachzucht und Projekt Goldener Scheckenfalter

Die von der Kreisgruppe Hof erworbene und umgebaute Huschermühle bei Regnitzlosau überzeugte den Landesvorstand bei seinem Besuch am 16. April absolut. Hier grenzen zwei Großprojekte des Artenschutzes, die Flussperlmuschel-Nachzucht und der Schutz des Goldenen Scheckenfalters (Euphydryas aurinia) unmittelbar aneinander. Der Vorsitzende der Kreisgruppe Hof, Uli Scharfenberg begrüßte die höchsten Repräsentanten des mit 235.000 Mitgliedern und Förderern größten Naturschutzverbandes in Bayern. Zusammen mit den Projektleitern Wolfgang Degelmann und Nora Sichardt präsentierte er zum einen die ersten Jungmuscheln aus der halbnatürlichen Aufzucht in der Huschermühle bei Regnitzlosau. Zum anderen konnte eine Pflanzung des Teufelsabbiss, die als Nahrungsquelle für die Raupen des Goldenen Scheckenfalters dient, besichtigt werden.

Der BN investiert mit Förderung durch das Bundesamt für Naturschutz in Bonn, dem europäischen Interreg-Programm und dem Bayerischen Naturschutzfonds aus Mitteln der Glücksspirale hier im Laufe von drei bzw. sechs Jahren insgesamt 2,4 Mio. Euro in die Artenvielfalt.

„Die Projekte sind bayernweit vorbildlich und sollen den Schwund der beiden vom Aussterben bedrohten Arten aufhalten. Die beiden Arten haben im Gebiet des Grünen Bandes Bayern-Sachsen-Tschechien einen ihrer letzten Verbreitungsschwerpunkte“, so der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner.

„Insgesamt gibt der BUND Naturschutz in Bayern fast drei Millionen Euro pro Jahr bayernweit für Arten- und Biotopschutzprojekte und Flächenkäufe aus. Im Projekt Lückenschluss am Grünen band konnten wir bereits 140 Hektar Fläche erwerben“, so Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN.

Projekt Goldener Scheckenfalter
Uli Scharfenberg: „Der Goldene Scheckenfalter gilt in Bayern als stark gefährdet und hat in Nordbayern in dieser Region seine letzten Vorkommen. Länderübergreifend bemühen wir uns zusammen mit Sachsen und Tschechien um seinen Erhalt und Wiederausbreitung. Die ergriffenen Maßnahmen zeigen Wirkung und die Zahlen der Falter und Gespinste haben sich wieder erhöht.“

Das Projekt läuft in Partnerschaft mit dem sächsischen Landratsamt Vogtlandkreis in Plauen sowie in enger Zusammenarbeit mit der Tschechischen Agentur für Naturschutz und Landschaftspflege in Karlsbad. Der länderübergreifende Charakter des Vorhabens ist für die gemeinsamen Schutzbemühungen sehr wertvoll. Ziel des Schutzprojekts ist es, die Lebensräume des Goldenen Scheckenfalters wieder enger miteinander zu vernetzen – über Ankauf oder Pacht von Flächen sowie die gezielte Pflege der Lebensräume im mageren Feuchtgrünland. Der Goldene Scheckenfalter ist auf den Gemeinen Teufelsabbiss als Eiablage- und Raupen-Futterpflanze angewiesen und damit an wechselfeuchte, magere Wiesen gebunden. Zur Vermehrung des Teufelsabbiss finden umfangreiche Maßnahmen statt, z.B. wird die Pflanze auf mit der Fräse oder dem Bagger vorbereiteten Flächen großflächig angesät. Seit Projektbeginn wurden außerdem rund 10.000 Jungpflanzen auf verschiedenen Standorten im Projektgebiet gepflanzt. Die Flugzeit des Goldenen Scheckenfalters erstreckt sich von Mitte Mai bis Mitte Juni.

Projekt Flußperlmuschel
Wolfgang Degelmann, Projektleiter des Interreg-Projektes zum Schutz der Flussperlmuschel am Grünen Band Bayern-Tschechien: „Im Gegensatz dazu sieht es bei der Flussperlmuschel noch nicht so günstig aus. Trotz intensiver Bemühungen seitens der Wasserwirtschaft, des staatlichen Naturschutzes, der Landwirtschaft und des BUND Naturschutz werden die Bestände der Flussperlmuschel immer noch kleiner“.

Um diesen Trend mittelfristig zu stoppen, die Bestände langfristig zu erhalten und die Populationen wieder zu vergrößern, hat der BUND Naturschutz Hof zusammen mit der AOPK in Tschechien ein Interreg III Projekt auf den Weg gebracht. Ziel der grenzübergreifenden Bemühungen ist es, durch eine halbnatürliche Aufzucht von Jungmuscheln in der zur Flussperlmuschelzuchtstation umgebauten Huschermühle direkt am Grenzgewässer Bayern/Tschechien, die Bestände zu unterstützen und den genetischen Pool zu erhalten. Während hier mehrere Tausend Jungmuscheln jährlich herangezogen und in die benachbarten Gewässer entlassen werden, können die begleitenden Maßnahmen an den Gewässern – z.B. der Einbau von Schlammfangbecken, die Wegnahme standortfremder Fichten direkt an den Gewässern, etc. – greifen und in ein paar Jahren natürlich reproduzierten Jungmuscheln wieder die Chance zum Aufwachsen in ihrer natürlichen Umgebung bieten.

Höllental-Alternativen

Der Romansfelsen am Ortseingang von Bernstein, einem Ortsteil von Schwarzenbach/Wald, ist Schauplatz einer Information der Kreisgruppe Hof mit dem des Landesvorstandes des BUND Naturschutz in Bayern e.V. zum Thema Hängebrücke.

Das Landratsamt Hof plant derzeit eine 900-1000 m lange Fußgängerhängebrücke über das Naturschutz- und FFH-Gebiet Höllental sowie eine knapp 400 m lange Brücke über das Lohbachtal bei Lichtenberg. Der BUND Naturschutz sieht die Planung über das Naturschutzgebiet kritisch und prangert eine fehlende bzw. mangelhafte Prüfung von alternativen Lösungen an.

„Im Landkreis Hof sind 420 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das entspricht 0,4 Prozent der Fläche des Landkreises und liegt damit im unteren Mittelfeld im bayerischen Vergleich“ so Uli Scharfenberg, 1. Vorsitzender der Kreisgruppe Hof. „Dabei ist das Höllental mit 164 ha das größte Naturschutzgebiet im Landkreis Hof mit immerhin 40 % der gesamten Schutzgebietsfläche. Und genau dieses Kleinod des Naturschutzes soll nun mit einer Hängebrücke und unabsehbaren Folgen für den Naturschutz überspannt werden.“

Dabei stellt sich der BUND Naturschutz nicht prinzipiell gegen eine Touristenattraktion in Form einer Hängebrücke. Von Beginn der Planungen wurde der Prozess durch den BN konstruktiv begleitet. Nur am Standort Höllental scheiden sich die Geister.

„Der Frankenwald bietet viele tief eingeschnittene Täler, die mittels einer Hängebrücke spektakulär überspannt werden könnten, warum muss es denn unbedingt dieser hochsensible Bereich eines FFH-Gebietes sein?“ so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BN.

Der BUND Naturschutz bittet die Verantwortlichen in Planung und Politik, doch alternative Standorte – wie z.B. das Tal der Wilden Rodach vom Romansfelsen hin zum geplanten Naturparkzentrum am Gasthof Fels – hinsichtlich ihrer Eignung als möglichen Hängebrückenstandort fundiert zu untersuchen und so einen echten „Brückenschlag“ zwischen den Belangen des Naturschutzes und des Tourismus zu ermöglichen.

Jahreshauptversammlung 2019

Artenschutz von Geroldsgrün bis Schönlind
Bund Naturschutz Hof hält Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen

Hof – Die Kreisgruppe Hof des Bund Naturschutz in Bayern e.V. hat im März Mitglieder und Interessierte zu ihrer Jahreshauptversammlung ins Hotel Strauss geladen.

Die 1973 gegründete Hofer Gruppierung des BN hat nach aktuellem Stand 2760 Mitglieder sowie acht hauptamtliche Mitarbeiter. Nach den Grußworten des stellvertretenden Landrats, Hans-Peter Baumann, führte der erste Vorsitzende, Ulrich Scharfenberg, durch den Abend und gab zu Beginn interessante Daten und Fakten zum BN Hof bekannt. So wurden im Jahr 2018 fast 60 ha wertvolle Grünlandstandorte gemäht und beräumt sowie 3 ha Magerflächen mit den 12 BN-Schafen beweidet und 4 Hecken im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms gepflegt. Darüber hinaus sind 8 Amphibienzäune mit einer Gesamtlänge von 5,6 km auf-, abgebaut und betreut worden, mehrere hundert Kröten und Frösche konnten auf diese Weise vor dem Tod auf der Straße bewahrt werden.

Auch laufen einige Umweltbildungs- und Artenschutzprojekte über das Büro der Kreisgruppe.

„Mit dem Umweltbildungs-Bauwagen EMIL waren im vergangenen Jahr 72 Schulklassen mit 1700 Kindern im Lebensraum Wiese, Wald oder Bach unter-wegs“ so der 1. Vorsitzende, Uli Scharfenberg. Im Projekt „Vom Wert der Nahrung“ lernten teilnehmende Schulklassen darüber hinaus einiges über die Erzeugung, die Verarbeitung und den Verkauf von Nahrungsmitteln sowie eine ausgewogene, regionale und saisonale Ernährung. Ein weiteres Kleinprojekt, „Vom Wert der Bäume in der Stadt Hof“, sollte speziell den Hofer Kindern den ökologischen und ökonomischen Wert ihrer Stadtbäume näher bringen – so konnten die Kinder bei der Pflanzung und Pflege von Bäumen mitmachen, eine Baumschule und einen Baumkronenpfad besuchen. Die Kindergruppe „Hofer Helden“ trifft sich weiterhin regelmäßig wöchentlich im BN-Garten in der Johann-Strauss-Straße und ist mit durchschnittlich 10 Kindern sehr gut besucht.

Aktive aus der BN Kindergruppe „Hofer Helden“ beim Bau von „Samenbomben“ im Abenteuergarten

Auch die Urban Gardening-Gruppe trifft sich weiter regelmäßig zum Gärtnern – ab 2019 allerdings auf einem neuen Grundstück in der Beethovenstraße.

„Im Artenschutzprojekt zum Schutz des Goldenen Scheckenfalters im östlichen Landkreis Hof konnten im vergangenen Jahr umfangreiche Pflegemaßnahmen im Projektgebiet abgeschlossen sowie die Pflanzung von 3000 Teufelsabbiss-Pflanzen durchgeführt werden“ führte der Vorsitzende aus. „Ein wichtiger Beitrag zum Erhalt dieses vom Aussterben bedrohten Falters“ so Scharfenebrg weiter.

Das neue Projekt zum Schutz der Flussperlmuschel startete im Frühjahr 2018 mit der Einrichtung einer Flussperlmuschel-Zuchtstation in der Huschermühle. Hier sollen in den nächsten 3 Jahren Flussperlmuscheln gezüchtet und in die umliegenden Bachsysteme ausgewildert werden, um den stark bedrohten Bestand der seltenen Art zu stützen.

Beim Gottesdienst im Grünen am Pfingstmontag und am Hofer Umwelttag am Theresienstein war die Kreisgruppe mit einem Beitrag vertreten, ebenso waren wieder viele Aktive bei der „Wir haben es satt“-Demo in Berlin dabei. Der Umweltpreis des Bund Naturschutz Hof ging 2018 an die Hofer Tafel und die Foodsharing-Initiative in Hof.

Im Anschluss leitete der anwesende Landesvorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern e.V., Richard Mergner, die Wahl der Vorstandschaft. Wiedergewählt wurden Uli Scharfenberg als Erster Vorsitzender der Kreisgruppe, Lars Kummetz als Zweiter Vorsitzender, Christine Becker als Schatzmeisterin, Bernd Bogedein als Kassenprüfer, Anette Schaumberg, Sebastian Auer und Till Boeger als Delegierte, sowie Thomas Friedrich und Hannelore Buchheit als Beisitzer. Neu gewählt wurden Martin Nowak zum Amt des Schriftführers und Leonhard Crasser als dritter Beisitzer.

Im weiteren Verlauf des Abends referierte Richard Mergner über die derzeitigen Projekte und Schwerpunkte des Landesverbandes des Verbandes.

Wolfgang Degelmann
Bund Naturschutz Hof

Klima-Fasten

Klima-Fasten

– ein Trend der zunimmt

Deutsche sind nicht nur zu dick, sondern auch CO2-übergewichtig.

Frankenwald: Die gute Nachricht, präsentiert von der OrtsgruppeFrankenwald Ost des BUND Naturschutz in Bayern e.V.: Die Kirchen haben den Anstoß gegeben: Die Tradition des Fastens auf klimaschädliches Verhalten anzuwenden.

Ein begrüßenswerter Trend, der unabhängig von der klassischen Fastenzeit durchaus gewünscht, das ganze Jahr durchgeführt werden kann. So liegt der durchschnittliche CO2-Fußabdruck bei vorbildlichem Verhalten bei 5,2 Tonnen pro Person und Jahr, und bei verschwenderischem Umgang fast dreimal höher, bei 14,5 Tonnen. Der Bundesdurchschnitt liegt je nach Berechnungsmethode derzeit zwischen 10 und 11 Tonnen pro Jahr und Person. Also durchschnittlich ca. 30 kg CO2-Äquivalent pro Kopf und Tag. Um diese Zahlen besser einordnen zu können, hier drei Vergleichswerte aus dem Mobilitätsbereich: 1.000 km Autofahren entspricht schon 110 kg CO2-Emissionen, auf Kreuzfahrten entstehen 152 kg auf 1.000 km Seeweg und Passagier, mit dem Flugzeug sind es schon 180 kg pro Fluggast.

Doch nicht nur der Verkehr, der rund ein Siebtel der Gesamt-CO2-Emissionen ausmacht, ist zu betrachten. Jedes Kilo Rindfleisch trägt z.B. mit 6,5 kg CO2-Ausstoß zum Klimawandel bei. Geflügelfleisch nur 1/5 davon. Generell gilt aber viel weniger Fleisch zu essen. 20% der in Deutschland emittierten Treibhausgase stammen aus dem Lebensmittelsektor. Gemüse und fleischlose Produkte, regional erzeugt und verbraucht, helfen hier deutlich diese Zahl zu senken.

Im Internet sind zahllose CO2-Rechner zu finden die helfen, den eigenen Stand zu bestimmen und aufzeigen, wo am schnellsten und effektivsten Klima-gefastet werden kann.

Problematisch dagegen ist immer noch die massive Verbrennung von fossilen Energieträgern, vor allem Kohle, Erdöl und Erdgas. Verantwortlich für den größten Brocken von 30% des gesamt-CO2-Ausstoßes weltweit. Allein die Haushalte in Deutschland erzeugten schon im Jahr 2003 zum Heizen ca. 163 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent. Hier ist mit modernen Heizanlagen und guter Wärmedämmung am schnellsten der Umwelt und auch dem eigenen Geldbeutel geholfen.


16.03.2019, OG Frankenwald-Ost

Rettet die Bienen!

Der Eintragungszeitraum für das Volksbegehren Artenviefalt – Rettet die Bienen! beginnt am 31. Januar. Bis zum 13. Februar können dann bayernweit alle Bürgerinnen und Bürger in ihren Eintragungsstellen und Rathäusern für mehr Artenschutz unterschreiben. Der Trägerkreis aus ÖDP Bayern, LBV (Landesbund für Vogelschutz), Bündnis 90/Die Grünen Bayern und BUND Naturschutz in Bayern (BN) informiert über die bisherige Resonanz und gibt einen kurzen Ausblick >

Die Kreisgruppe Hof wird Infostände zu dem Volksbegehren einrichten.

Elektromobilität – Vortrag und Diskussion

Die BN-Kreisgruppe Hof veranstaltet einen Themenabend zur Elektromobilität.

Ort: Gasthof „Goldene Krone“ Selbitz, Bahnhofstr. 18
Montag, 04. Februar 2019 um 19 Uhr

Referent Frank Berlips von der Energievision Frankenwald wird u. a. zu folgenden Fragen Stellung nehmen:
Werden wir in Zukunft alle elektrisch fahren?
Woher kommt der Strom?
Reicht der Strom überhaupt?
Wie ist die Umweltbilanz der E Autos?
Warum sind erst so wenige elektrisch unterwegs?

Anschließend Diskussion

Rede zur Verleihung des Umweltpreises 2018

Umweltpreis 2018 – vergeben am 12.12.2018

Überreichung der Preise
v. l.: Hannelore Buchheit, Till Boeger, Wolfgang Degelmann, Ulrich Scharfenberg, Dieter Langheinrich (Tafel Hof), Gertraude Hartung-Neumann (Botschafterin foodsharing Hof), Sebastian Dörner (Botschafter foodsharing Hof), Stefan Söllner (Betriebsverantwortlicher Lebensmittelretter Hof), Adrian Häussler /Foodsaver), Jenny Nowacki (Foodsaverin) – Foto: © Uwe von Dorn

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde des Bund Naturschutz, sehr geehrte Vertreter  der Hofer Tafel und der Foodsharing Initiative in Hof, Herr Langheinrich, Herr Dörner und Frau Hartung-Neumann,

heute verleihen wir zum 29. Mal unseren Umweltpreis – den Umweltpreis 2018.

Eine lange Tradition seit nunmehr 1989. Und immer haben wir herausragende Beispiele aus unserer Gegend geehrt. Sehen Sie diese Baumwolltasche. Sie stammt aus dem Jahr 1988. Ich habe sie beim Aufräumen in unserer Scheune gefunden. Was hat diese Tasche mit unserem heutigen Umweltpreisträgern zu tun, werden sie sich fragen. 1988 war das der Auftakt für die Aktion „Wegwerftüten – Nein Danke“ – Die Große BN Mitgliederwerbeaktion. Der erster BN Umwelt- Preisträger war 1989 die Stadtsparkasse Hof für die Ausgabe von Baumwolltragetaschen statt Plastiktüten an die Kundschaft. An diesem Beispiel sehen wir das viele Leistungen der Ausgezeichneten heute bereits selbstverständlich und uns allen in Fleisch und Blut übergegangen sind. Gerade das Beispiel der Plastiktüten zeigt aber die immer währende Aktualität. Plastikmüll, der die Weltmeere zu ersticken droht ist das Thema, dass uns zur Zeit und in nächster Zeit noch sehr stark beschäftigen wird. Und es zeigt, dass es einen langen Atem braucht, vernünftige Lösungen zu finden und auf Dauer umzusetzen. Und wir Deutschen neigen dazu, uns hier maßlos zu überschätzen. Wir sind keine Vorreiter in Sachen Umweltschutz bzw. Klimaschutz. Wir sind eher Mitläufer. So ist Deutschland im internationalen Ranking von 60 Plätzen von Platz 22 in 2017 dieses Jahr auf Platz 27 gefallen. Lettland, Marokko und Schweden liegen hier vorne. Hätten sie das vermutet?

2017 haben wir den Umweltpreis an die Trägergemeinschaft Blühstreifenprojekt Unterhartmannsreuth vergeben. Ein Projekt dass die langfristige Schaffung und Erhaltung von Blühstreifen entlang von landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen in und um Unterhartmannsreuth umgesetzt hat und durch die Vernetzung der Blühstreifen den Biotopverbund optimiert hat. Ein klassisches Artenschutzprojekt.

Im Bereich der ökologischen Verwendung und Verwertung unserer Lebensmittel haben wir 2016 die Gemeinde Döhlau ausgezeichnet. Die Gemeinde Döhlau – so die damalige offizielle Begründung – hat sich durch ihr herausragendes Engagement beim politischen Entschluss, nur noch Fleisch und Wurstwaren aus artgerechter Tierhaltung bei allen gemeindlichen Veranstaltungen zu verwenden, verdient gemacht.

Daher freue ich mich, dass wir in diesem Jahr wieder im Bereich der Lebensmittel gelandet sind. Diesmal aber unter einem ganz anderen Aspekt – dazu gleich noch ausführlicher.

Für den Umweltpreis 2018 wurden einstimmig durch den Vorstand der BN Kreisgruppe Hof zwei Preisträger bestimmt:

Die Hofer Tafel und das Foodsharing Hof

Über 940 Tafeln mit mehr als 2.000 Tafel-Läden und Ausgabestellen gibt es in Deutschland. Die Gründung der ersten Tafel war 1993 in Berlin.

Deutschlandweit engagieren sich ca. 60.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für die Tafeln.

Über 2.300 Fahrzeuge sind im Einsatz.

Die deutschen Tafeln unterstützen regelmäßig bis zu 1,5 Millionen bedürftige Personen, davon 30 Prozent Kinder und Jugendliche und 70 Prozent Erwachsene.

Und eine davon ist in Hof angesiedelt. Und keiner kann natürlich besser beschreiben, wie sie ihre Arbeit sehen als sie selbst, Herr Langheinrich. Deswegen darf ich von ihrer Internetseite zitieren – liebe Mitstreiter und Mitstreiterinnen der Hofer Tafel: „In Deutschland landet rund ein Viertel aller verfügbaren Lebensmittel im  Müll, obwohl sie noch verzehrfähig sind. Gleichzeitig sind viele Menschen von Einkommensarmut betroffen oder bedroht. Die Hofer Tafel ist dabei eine Brücke zwischen Überfluss und Armut. Ehrenamtliche sammeln überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel von Herstellern und Händlern und verteilen diese an bedürftige Menschen.“ Sicherlich kennen Sie alle die Diskussion um die Notwendigkeit der Tafeln. Ein so reiches Land wie Deutschland braucht solche Hilfsaktionen? Wird immer wieder die Frage gestellt.

Die Kernfrage, die sich uns stellt ist heute aber doch eine ganz andere. Und hier beziehe ich unseren zweiten Preisträger die „Foodsharing Initiative“ ganz bewusst mit ein. Die Kernfrage ist: Wie gehen wir mit der Überproduktion an Lebensmitteln um. Können wir uns es weiter erlauben in diesem Überfluss zu produzieren. Wie lange haben wir noch die Resourcen so zu wirtschaften. Wann beginnt der Prozess des Umdenkens. Essen, das den Berg an weggeworfenen Lebensmitteln in Deutschland anwachsen lässt: 18 Millionen Tonnen sind es jährlich, besagt eine Studie der Umweltorganisation WWF. Anfang der 80er Jahre bei meinem Studium in Berlin habe ich Nachhilfe in einer Familie gegeben. Der Familienvater ist jeden Samstag Mittag kurz vor Ladenschluss zum benachbarten Supermarkt gefahren und hat dort Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf des MHD waren, abgeholt. Für mich damals unfassbar was alles sonst im Müll gelandet wäre. Von Obst über Fertigpizza einfach Alles, was man sich vorstellen kann. Ich habe die Familie damals bewundert für ihr Engagement.

Und hier leisten Sie so unvorstellbar wertvolle Arbeit. Denken Wir kurz nochmal an mein Eingangsbeispiel mit den Baumwolltaschen. Wie lange hat es gebraucht bis die Diskussion um den Verzicht auf Plastiktüten nur im Ansatz kleine Erfolge trägt? Ich hoffe für uns alle, dass wir in der Diskussion zur unfassbaren Wegwerfmentalität deutlich schneller voran kommen als in diesem Beispiel.

Auf der foodsharing.de Seite können wir folgendes erfahren: „Wir sind eine Initiative, die sich gegen Lebensmittelverschwendung engagiert. Wir ‚retten‘ ungewollte und überproduzierte Lebensmittel in privaten Haushalten sowie von kleinen und großen Betrieben. Darüber hinaus verstehen wir uns als bildungspolitische Bewegung und fühlen uns nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen verpflichtet. Wir setzen uns unter anderem für einen Wegwerfstopp und gegen den Verpackungswahnsinn der Supermärkte ein. Mit diesen und anderen Themen sind wir auf Veranstaltungen oder in Medien präsent und starten eigene Aktionen.

Die Organisation unserer foodsharing-Community und unserer Aktivitäten läuft in erster Linie über die Online-Plattform foodsharing. Hier vernetzen und koordinieren sich die Lebensmittelretter*innen (Foodsharer/Foodsaver) in den einzelnen Städten und Regionen. Über die Plattform werden überregionale Themen, Veranstaltungen und Informationen veröffentlicht. Unsere foodsharing-Initiative entstand 2012 in Berlin. Mittlerweile ist sie zu einer internationalen Bewegung mit über 200.000 registrierten Nutzern*innen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern herangewachsen. Die Mitglieder der foodsharing-Community arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich. Die Initiative foodsharing ist und bleibt kostenlos, nicht kommerziell, unabhängig und werbefrei. Wir wollen die Plattform open source und weltweit leichter zugänglich machen – so wie es das foodsharing-Konzept des Lebensmittelrettens bereits ist.“

Und auch hier gibt es sie. In Hof. 2016 haben Sie, Herr Dörner, nach ihren Erfahrungen in Bayreuth hier begonnen.

„Foodsharing sei keine Konkurrenz zu den Tafeln. Man arbeite Hand in Hand.“ Wenn die Tafel oder sonst eine Einrichtung die Sachen abholt, freuen wir uns, weil die Lebensmittel durch uns nicht gerettet werden müssen.“ Haben Sie, Herr Dörner, in einem FP Interview letztes Jahr gesagt. Und besser kann man die Wahl der zwei Preisträger nicht ausdrücken. Miteinander handeln statt reden. Miteinander versuchen, die unglaubliche Überproduktion an Lebensmitteln in vernünftige Bahnen zu lenken. In diesem Sinne unserenPreisträgern herzlichen Glückwunsch verbunden mit unserem noch herzlicheren Dank an Sie alle.


Für die BN Kreisgruppe Hof – Ulrich Scharfenberg – 12.12.2018