Bericht der Jahreshauptversammlung 2022 – BN Kreisgruppe Hof

Artenschutz, Umweltbildung und Landschaftspflege waren die Schwerpunkte des letzten Jahres. Uns ist es mit 7 Partnern gelungen einen neuen Projektzeitraum für die Flussperlmuschelaufzuchtstation in der Huschermühle umzusetzen. Seit Mitte letzten Jahres fördert das Bundesamt für Naturschutz (BfN) das Projekt „MARA – Margaritifera Restoration Alliance“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt mit rund 5,83 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMU). Somit ist es uns gelungen die Finanzierung der Huschermühle für 6 Jahre zu sichern,“ so der Vorsitzende Uli Scharfenberg auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung der BN Kreisgruppe Hof, „und alle sieben Partner aus drei deutschen Bundesländern kümmern sich gemeinsam um den Flussperlmuschelschutz.“

Weit über 100 ha Fläche sind im Besitz oder sind von der Kreisgruppe Hof in Stadt und Landkreis Hof gepachtet. Von diesen Flächen werden 73 ha gepflegt und die Mahd teilweise mit der Hand aus der Fläche gebracht. 12 Hecken und Feldgehölze wurden gepflanzt und 8 Amphibienschutzzäune aus und abgebaut. „Dies ist jedes Jahr eine große Kraftanstrengung für die vier hauptamtlich Beschäftigten Mitarbeitenden und die ehrenamtlichen Helfer“, ergänzt Scharfenberg. Unterstützt wurde die Kreisgruppe Hof von den aktiven Ortsgruppen Frankenwald Ost und Helmbrechts u.a. mit Sensenkursen oder gezielten Pflegemaßnahmen. Daher wurde der BN Umweltpreis im Jahr 2021 an die zwei Artenschützer der ersten Stunde Hannelore Buchheit und Siegfried Hösch vergeben.

Mit den Durchgeführten Projekten „Entsteint euch“ und „Hof-Gärten“ in der Stadt Hof wurde auf auf die Fehlentwicklung bei den Steingärten, die sich immer mehr verbreiten hingewiesen. In gezielten symbolischen Aktionen konnten Gartenbesitzer*innen einen Eimer Steine aus ihren Vorgärten in Samen für bienenfreundliche Blühwiesen umtauschen. Und es wurde zwischen Gartenbesitzer*innen und Menschen aus Wohnungen ohne Gärten vermittelt, um sich gemeinsam um die vorhandenen Gärten zu kümmern oder die Arbeit zu übernehmen. Dies brachte Menschen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen zusammen. „ Mit der Betreuung des Projektes „Feld macht Schule“ an der Montessori-Schule Berg und der Kooperation des Sozialunternehmens Systep bei der fachlichen Betreuung des Waldkindergartens in Naila haben wir unseren Auftrag der Umweltbildung abgerundet,“ so Scharfenberg.

Mit ungefähr 261.000 Mitgliedern in Bayern und knapp 3.000Mitgliedern in Stadt und Landkreis Hof ist die BN Kreisgruppe der größte Naturschutzverband sowohl in Bayern als auch in Hof. „Deshalb ist unsere Arbeit vor Ort so eminent wichtig. Fast vier Monate Krieg in der Ukraine und 2 Jahre Corona bestimmen die Realität in unserem Lande. So verheerend, grausam und unverständlich Krieg und Pandemie sind und unser Leben zutiefst beeinflussen, dürfen weder der Krieg noch die Pandemie dazu missbraucht werden, die weiteren großen Herausforderungen unserer Zeit zu leugnen oder zu verdrängen. Den Klimawandel mit allen seinen Folgen.“

Nach dem Kassenbericht, der Kassenprüfung und der Aussprache las Torsten Küneth auch bekannt als Torsten von Wurlitz aus seinem Kriminalroman „Flussperlmuschel“, Kommissar Wunderlichs erster Fall, einem spannenden Krimi mit vielem lokalen Bezug, nicht nur zur örtlichen Kommunalpolitik.

Die BN Kreisgruppe Hof veranstaltet am Samstag 02.07.2022 um 19.00 Uhr in der Huschermühle ihren diesjährigen Sommerempfang, als Ersatz für die coronabedingt ausgefallenen Neujahrsempfänge. Die Europaabgeordnete Maria Noichl, seit 2014 Mitglied im Europäischen Parlament und Vertreterin im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung berichtet über die europäische Ausrichtung der Landwirtschaft und diskutiert mit örtlichen Vertreter*innen der Landwirtschaft über die Entwicklung vor Ort.

20 Jahre Sonderbriefmarke mit Flussperlmuschel

Am 10. Juni 2002 wurde am Dreiländereck bei Regnitzlosau eine Sonderbriefmarke der Reihe „Geschützte Tierarten“ der Öffentlichkeit übergeben. Das Motiv war, auf Anregung der Kreisgruppe Hof des Bund Naturschutz, die auf der Roten Liste stehende höchst gefährdete Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera).

Brief und Briefmarke "Flussperlmuschel"
Brief und Briefmarke „Flussperlmuschel“

Zum 20. Jahrestag der Herausgabe der Briefmarke konnte BN Kreisvorsitzender Uli Scharfenberg wieder am Dreiländereck Interessierte aus dem Bereich Muschelschutz, Politik und Behörden begrüßen, um über die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte zu berichten. „Ich freue sich, dass die Muschel inzwischen zu einer Attraktion geworden ist,“ so Scharfenberg.

Am Dreiländereck: (v. r. Bundestagsabgeordneter Jörg Nürnberger; Georg Nowak, Muschelschützer der ersten Stunde; Regina Saller, Landschaftspflegeverband; Frank Stumpf, Stellvertretender Landrat; Gabriele Merz, Leiterin des Wasserwirtschaftsamtes Hof; Uli Scharfenberg, BN Kreisvorsitzender, Ilona Groß, Bürgermeisterin Triebel; Udo Benker-Wienands, früherer BN Kreisvorsitzender

Stellvertretender Landrat Frank Stumpf aus Naila würdigte in einem Grußwort das Engagement vor allem des ehrenamtlichen Naturschutzes. Er ging auf die Lebensweise der geschützten Tierart ein und erläuterte als „alter Briefmarkensammler“, dass in den Begleittexten zur Herausgabe der Sonderbriefmarken durch das damalige Finanzministerium immer viel Wissenswertes zu den jeweiligen Briefmarkentiteln stehe.

Das ist eine absolute Rarität für alle Briefmarkensammler*innen,“ so Uli Scharfenberg bei der Übergabe eines der restlichen 9 Exemplare des damaligen Ersttagsbriefs mit der deutschen und tschechischen Briefmarke und den jeweiligen Erstagsstempeln an den stellvertretenden Landrat Frank Stumpf, „ Dieses haben wir mit einer originalen Briefmarke mit dem heutigen Tagesstempel, abgestempelt durch die Regnitzlosauer Postfiliale, ergänzt. Die verbliebenen noch vorhandenen und ebenfalls aktuell ergänzten Ersttagsbriefe bzw. Briefumschläge können gegen ein Gebot bei der BN Kreisgruppe Hof unter (info@bund-naturschutz.com) ersteigert werden.“ Allerdings sei Eile geboten, denn einer der kostbaren Briefe wurde schon gleich am Dreiländereck für einen dreistelligen Betrag an den neuen Besitzer übergeben.

SPD – Bundestagsabgeordneter Jörg Nürnberger freute sich, dass seine frühere Kollegin Petra Ernstberger zusammen mit dem damaligen Bund Naturschutz Kreisvorsitzenden Udo Benker-Wienands die Herausgabe der Briefmarke initiiert und ermöglicht hatte. Auch er versicherte, dass der Muschelschutz auch zukünftig auf Unterstützung durch den Bund, beispielsweise über das Bundesamt für Umweltschutz, zählen könne.

Petra Ernstberger, ehemalige Bundestagsabgeordneten der SPD, sandte ein Grußwort in dem sie darstellte, dass im damals zuständigen Innenministerium Grünes Licht für das Vorhaben gegeben wurde. Die Übergabe wurde zu einem Highlight für Philatelisten, da gleichzeitig auch die Tschechische Republik eine Sonderbriefmarke mit der Flussperlmuschel als Motiv herausgab.

Der damalige Bund Naturschutz Kreisvorsitzende Udo Benker-Wienands stellte die Geschichte des Muschelschutzes im Dreiländereck kurz dar. Nach einer Grunderhebung des Muschelbestandes durch die Bund Naturschutz Kreisgruppe Hof in der Südlichen Regnitz wurden das Wasserwirtschaftsamt und die Regierung von Oberfranken aktiv. Das von der Regierung schon damals vorgeschlagene großräumige Naturschutzgebiet im Einzugsbereich der Regnitz scheiterte am lokalen Widerstand. Der internationale Verein Perlmut e.V. mit Muschelschützern aus Sachsen, Böhmen und Bayern scheiterte mit seinem Vorhaben, in der Region ein Ökosphärenreservat einzurichten, ebenfalls. Die Herausgabe der Briefmarke habe viel dazu beigetragen, dass der Muschelschutz inzwischen sehr positiv gesehen wird. Letztlich habe man aber endlich die Flussperlmuschelzuchtstation in der Huschermühle mit öffentlicher Förderung einrichten können. Die Probleme seien damit aber noch keineswegs gelöst. Die Wasserqualität der früheren Muschelbäche sei immer noch verbesserungsbedürftig und als neues Problem kommen die zu geringen Niederschläge durch den Klimawandel hinzu. „Es fallen sogar Bäche im Sommer trocken“, so Benker-Wienands.

Ilona Groß, Bürgermeisterin aus Triebel berichtete über die Fortschritte im Muschelschutz im benachbarten Vogtland Landkreis und dem Vorhaben, in Auerbach ein Museum einzurichten.

Wolfgang Degelmann, Geschäftsführer des BN Hof, stellte den Lebenszyklus der Muschel, die es nachweislich seit über 300 Millionen Jahren gibt, dar und gab der Hoffnung Ausdruck, dass es durch die Zuchtstation in der Huschermühle gelingen werde, die Muschel in ihren Restbeständen zu erhalten.

Offener Brief an Landrat Dr. Bär

Offener Brief

Planungsstopp für die Frankenwaldbrücken

Sehr geehrter Herr Landrat Dr. Bär,

wir wenden uns als Bund Naturschutz Kreisgruppe Hof heute mit einer Bitte an Sie. Durch die Pandemie bedingte Entwicklung in Deutschland in den letzten beiden Jahren, die verschärfte Klimakrise und das Kriegsgeschehen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft verändern sich die Gegebenheiten in Deutschland und auch in unserem Landkreis zunehmend. Dies wurde auch in der letzten Kreistagssitzung am 7. März 2022 im Rahmen der Haushaltsdebatte von fast allen Fraktionen angesprochen. Zur Zeit können wir nicht abschätzen, wie viel Energie und wie viel finanzielle Mittel wir zur Bewältigung der drei Krisen Corona, Klimawandel und Kriegsereignisse mit bevorstehender Flüchtlingswelle in der nächsten Zeit benötigen werden. Daher stellt sich für uns als Bund Naturschutz drängender denn je die Frage: Ist das Projekt Frankenwald-Brücken noch zeitgemäß? In den Haushalt 2022 des Landkreises wurden 2 Millionen Euro für die Frankenwald Brücken aus dem Jahr 2021 übertragen und stehen für weitere Ausgaben im Rahmen der Planung zur Verfügung. Für das Projekt liegt bisher nur eine Kostenschätzung, die deutlich älter als zwei Jahre ist, vor. Alleine durch die Entwicklung im Bereich der Baukosten in Verbindung mit den jetzt aktuellen steigenden Preisen im Bereich der Rohstoffe und der Energie liegt es ganz klar auf der Hand, dass diese Kostenschätzung völlig überholt ist. Sicherlich werden die damals geschätzten  23 Millionen Euro bei weitem nicht ausreichen, um ein Projekt dieser Größenordnung zu finanzieren. Es können hier  Kostensteigerungen analog anderer Projekte in Höhe von 50 bis 100% erwartet werden. Sind 30, 40 oder vielleicht sogar 50 Mio. Euro überhaupt darstellbar und im Anblick drängender Probleme für ein Freizeitprojekt noch moralisch zu vertreten? Von nahezu allen Kreistagsfraktionen wurde das Thema Kostensteigerungen und der daraus erforderliche Handlungsbedarf erkannt und thematisiert. In der Bevölkerung wird diese Entwicklung sehr wohl mit großen Sorgen gesehen. Von den Auswirkungen auf die Umwelt, die wir als BUND Naturschutz naturgemäß anders einschätzen als die Planer, ganz abgesehen.

Daher bitten wir Sie, die weiteren Planungen für die Frankenwaldbrücken jetzt zu beenden und sich von diesem naturgefährdenden und finanziell nicht tragbaren Projekt zu verabschieden. Die bei einem sofortigen Stopp nicht mehr benötigten Mittel in Höhe von 2 Mio. Euro könnten für viele andere Bereiche von Klimaschutzprojekten, Initiativen zur höherer Energieunabhängigkeit oder Entlastung der Landkreiskommunen herangezogen werden.

Zu so einem Schritt gehört Mut, aber aus Sicht des BUND Naturschutzes ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diesen Schlussstrich unter die Planungen zu setzen und die Zukunft des Höllentales als größtes Naturschutzgebiet unseres Landkreises zu sichern . Ein mögliches Nein seitens der Staatsregierung zu den angedachten Fördermitteln aufgrund der Preisexplosion würde das Projekt zu einem späteren Zeitpunkt sterben lassen und die bis dahin zusätzlich ausgegebenen Landkreismittel wären unsinnig verloren. Verantwortliches Handeln im Umgang mit unserer schützenswerten Natur und den anvertrauten öffentlichen Mitteln ist das Motto der Stunde. Daher: Ja zum Höllental – Nein zur Brücke!

Mit den besten Wünschen
Bund Naturschutz Hof
1.
Vorsitzender
Ulrich Scharfenberg

DengelFiX – Die Dengelhilfe beim Sensen

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Sensen-Kursübersicht 2022:

07.05.   09:30h    95192 Lichtenberg
21.05.   09:30h    95111 Rehau
11.06.   09:30h    95183 Feilitzsch
25.06.   09:30h    91217 Hersbruck
16.07.   09:30h    95213 Münchberg
06.08.   09:30h    95131 Schwarzenbach am Wald
10.09.   09:30h    95197 Schauenstein

Kontakt:
Leonhard Crasser, Kursleiter Sensenkurse
frankenwald-ost@bund-naturschutz.de

Runder Tisch zur Klimanotlage

Pressemitteilung

Unabhängige Wählergemeinschaft Oberkotzau e.V.

23.04.2021

Erster virtueller Runder Tisch der Unabhängigen Wählergemeinschaft Oberkotzau zum Thema Klimanotlage

Am ersten Runden Tisch der Unabhängigen Wählergemeinschaft Oberkotzau nahmen rund 20 interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Oberkotzau teil. Die Online-Konferenz beleuchtete die Frage, ob Kommunen die Klimanotlage ausrufen sollen. Das hatte die Hofer Kreisgruppe des Bundes Naturschutz im Rahmen eines Schreibens an alle Gemeinden des Landkreises Hof im Februar gefordert. „Wir wollen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutieren, ob es Sinn ergibt, dem Aufruf zu folgen und die Klimanotlage für Oberkotzau auszurufen. Wir wissen, dass mehr für den Klimaschutz getan werden muss, aber ist die Klimanotlage das richtige Instrument hierfür?“, erklärt Verena Feller, erste Vorsitzende der UWO.

Ins Thema führten Uli Scharfenberg, Vorsitzender der BN Kreisgruppe und Wolfgang Degelmann, der Geschäftsführer der Hofer Kreisgruppe ein. Sie betonten: „Egal, wie man das Kind nennt, wichtig ist uns, dass jede kommunale Entscheidung auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes betrachtet wird. Und dass vor Ort konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz ergriffen werden. Hier haben die Kommunen die Wahl aus einem bunten Blumenstrauß möglicher Maßnahmen.“

Im Laufe des Abends wurden hier unterschiedliche Möglichkeiten diskutiert: Elektroladesäulen, Förderung des ÖPNV, Erneuerbare Energien, energetische Sanierung von Gebäuden, Anlage von Blühwiesen, die Förderung nachhaltiger Mobilität und die klimafreundliche Ortsentwicklung im Hinblick auf Flächenversiegelung und Innenentwicklung wurden beleuchtet.

Wolfgang Degelmann und Uli Scharfenberg betonten dabei: „Klimaschutz ist ökonomisch sinnvoll, fördert die regionale Entwicklung, schafft Lebensqualität. Klimaschutz soll auch Spaß machen! Nicht jede Maßnahme ist überall sinnvoll und gewollt, aber für jede Kommune sind im bunten Strauß der Maßnahmen die richtigen Blumen dabei.“

Während der Diskussion entstand auch die Idee eines fraktionsübergreifenden Gremiums zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Experten, in dem konkrete Klimaschutzmaßnahmen diskutiert und erarbeitet werden.

„Wir haben ein globales Problem, das wir auf die kommunale Ebene bringen müssen,“ stellte Christian Feller, UWO-Fraktionsvorsitzender, fest: „eine ausgerufene Klimanotlage kann der Fahrplan für unser zukünftiges Handeln hin zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Gemeinde sein.“

Das Format „virtueller Runder Tisch“ soll zukünftig regelmäßig stattfinden. Verena Feller dazu abschließend: „Wir versuchen hier kommunale Sachthemen mit Bürgerinnen und Bürgern und unter Zuhilfenahme fachkundiger Referenten zu diskutieren. Der Auftakt war ein voller Erfolg und wir freuen uns auf die weiteren Veranstaltungen.“

V.i.S.d.P.:
Unabhängige Wählergemeinschaft Oberkotzau e.V.
1. Vorsitzende Verena Feller
Schaumberg 1
95145 Oberkotzau
info@uw-oberkotzau.de
Tel.: 0176 807 511 92

Vor 35 Jahren: Katastrophe Tschernobyl

BN Pressemitteilung.

U. Scharfenberg, Vorsitzender BN Hof

Zum 35. Mal jährt sich am Montag, den 26.04.2021 die Katastrophe von Tschernobyl. Dort ereignete sich 1986 ein Super-GAU als Folge einer Kernschmelze und Explosion im Kernreaktor Tschernobyl Block 4. Sie gilt als eine der schlimmsten Umweltkatastrophen aller Zeiten. Große Mengen an radioaktivem Material wurden in die Luft geschleudert und verteilten sich hauptsächlich über die Region nordöstlich von Tschernobyl, aber auch über viele Regionen Europas und auch bei uns. Bei einer nicht genau zu beziffernden Zahl von Menschen führte die Katastrophe zum Tod und hat in der Folge zu vielen Erkrankungen geführt.

„Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass Atomkatastrophen in ihren Auswirkungen grenzüberschreitend sind, dass Atomkraft nicht kontrollierbar ist und dass ihr Einsatz einem höchst gefährlichen Spiel mit dem Feuer gleichkommt“, so Kreisvorsitzender Ulrich Scharfenberg, „Atomkraft ist nicht zu verantworten. Der Super-Gau habe extrem viele Opfer gefordert und auch vielfältige genetische Schädigungen bedingt. Die Nachwirkungen sind auch bei uns noch zu spüren. Jedes in der Region erlegte Wildschwein muss auf radioaktive Belastung untersucht werden. Zur Zeit muss immer noch eine Vielzahl deshalb entsorgt werden. Ebenso sind heimische Pilze immer noch belastet, sodass vor einem übermäßigen Verzehr gewarnt wird.“

Der Bund Naturschutz Hof bekräftigt deshalb die Forderung nach dem weltweiten Atomausstieg. „Aus Klimaschutzgründen weiter auf Atomkraft zu setzen, ist eine eklatante Fehleinschätzung und ein fataler Irrweg. Nötig sei die zügige Energiewende hin zu 100% Erneuerbaren“, ergänzt BN Geschäftsführer Wolfgang Degelmann. „Dies ist Umsetzbar. Laut einer BN Studie kann der Landkreis Hof das 100% Ziel in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr beispielsweise unter Nutzung der Einsparpotentiale, dem sinnvollen Repowering der bestehenden Windkraftanlagen und einem Ausbau  der Fotovoltaik Anlagen auf Dächern und Freiflächen um 200 ha, erreichen“, schließt Ulrich Scharfenberg.

Elektromobilität

von Ulrich Scharfenberg, Vorsitzender BN Kreisgruppe Hof

Glaubt man der Werbung der Automobilindustrie, dann findet derzeit ein massiver Umstieg in Richtung E-Auto statt. Es werden fast ausschließlich Elektro- und Hybridfahrzeuge beworben. Das Werbekonzept scheint aufzugehen, denn auch im Landkreis Hof wurden im Jahr 2020 (Stand 17.12.2020) 1.158 Elektro und HybridFahrzeuge zugelassen. Davon 280 reine Elektrofahrzeuge, 840 Fahrzeuge mit Hybridantrieb und 38 andere Elektrofahrzeuge (Transporter etc.). Ende 2019 waren insgesamt nur 510 Fahrzeuge (116 reine Elektrofahrzeuge, 361 Fahrzeuge mit Hybridantrieb, 33 Transporter etc.) zugelassen. Damit sind Im Landkreis Hof die Zulassungszahlen elektrischer Fahrzeuge mit einem Zuwachs von über 200% stark gestiegen. Im Landkreis Wunsiedel sind aktuell 236 (2020 zusätzlich 151) reine Elektrofahrzeuge und 686 Fahrzeuge mit Hybridantrieb zugelassen.

Für die BN Kreisgruppe Hof Anlass um auch die Entwicklung der Ladeinfrastruktur im Landkreis Hof und im Landkreis Wunsiedel zu vergleichen. Im Landkreis Wunsiedel gibt es aktuell 60 Ladepunkte und 5 Schnellladestationen, davon eine an der Autobahn. Im Landkreis Hof gibt es aktuell 19 Ladepunkte und 12 Schnellladestationen, davon 8 an der Autobahn. „Dieser Vergleich zeigt das mangelnde Interesse an der Umsetzung der Mobilitätswende im Landkreis Hof zumal der Landkreis Hof von Juni 2017 bis Oktober 2018 extra ein Elektromobilitätskonzept für 75.000 Euro erstellen hat lassen,“ so der BN Vorsitzende Ulrich Scharfenberg, „hierbei ist besonders auffällig, dass in diesem Elektromobilitätskonzept festgehalten wurde, dass es im Oktober 2018 bereits 16 Ladepunkte und 7 Schnellladestationen gab. Berücksichtigt man, dass eine handelsübliche Ladestation zwei Ladepunkte hat, so ist zu erkennen dass es in den letzten 2 Jahren lediglich einen Zuwachs von 3 Ladepunkten also nicht mal 2 Ladestationen und 5 Schnellladestationen im Landkreis Hof gegeben hat. Und dies trotz Klimaschutzmanagement und Elektromobilitätskonzept. Dies ist Ausdruck für die kommunale Ignoranz beim Thema Klimaschutz und Verantwortung für eine Mobilitätswende.“ In der Berechnung sind die von der Firma Tesla installierten Supercharger in Münchberg nicht eingerechnet, da diese nicht öffentlich für alle Elektrofahrzeuge zugänglich sind. Im Landkreis Hof gibt es momentan pro Kommune 1,1 Ladepunkte (LKR WUN 3,8) bzw. kommt ein Ladepunkt auf 3.064 Einwohner (LKR WUN 1.116).

„Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass das Elektromobilitätskonzept eine Alibifunktion erfüllt, nach der Erstellung in der Schublade verschwindet und somit Steuergelder in Höhe von 75.000 Euro vergeudet wurden,“ ergänzt Ulrich Scharfenberg, „es wurden zwar 11 Elektrofahrzeuge für die Landkreiskommunen angeschafft, dies ist aber nur ein umgesetzter Punkt von 28 vorgeschlagenen Punkten aus dem Elektromobilitätskonzept.“ Der BN fordert daher weitete Schritte aus dem Konzept wie die Einführung eins runden Tisches Elektromobilität, den Ausbau der öffentlichen Ladestruktur ausschließlich mit erneuerbaren Energien, kommunales E Carsharing oder die Anschaffung von E-Bikes anzugehen.

„Die Mobilitätswende kann nur erfolgreich sein, wenn wir die Bürger*innen ermutigen und es ihnen durch einen attraktiven öffentlichen Personennahverkehr ermöglichen, das Auto so oft wie möglich stehen zu lassen. Ebenso ist die Umstellung des Ladestroms ausschließlich auf Erneuerbare Energien und die weitere Entwicklung alternativer Antriebe wie Wasserstoff und Brennstoffzellen erforderlich,“ fordert Ulrich Scharfenberg abschließend.

Zur Information: Elektromobilitätskonzept:

Kosten 75.000 Euro
Förderung 80% durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Beantragt 2016
Erstellt 6/2017 – 10/2018

Der Öffentlichkeit vorgestellt am 26.03.2019
Erstellt durch EVF Energievision Franken GmbH

Umsetzungsvorschlag für 28 Maßnahmen
Bereits umgesetzt: Anschaffung von 11 kommunalen E Fahrzeugen

Weitere Umsetzungs-Beispiele:
Eigenes Förderprogramm
Runder Tisch Elektromobilität
Anschaffung von E Bikes
Kommunales E Carsharing
Ladestrom aus erneuerbaren Energien
Ausbau der öffentliche Ladestruktur
Homepage – Themenseite

www.landkreis-hof.de/elektromobilitaetskonzept

 

Vergleich Ladepunkte Landkreis WUN / Landkreis Hof:

LKR Wunsiedel 60 Ladepunkte 5 Schnellader davon 1 Autobahn
LKR HOF 19 Ladepunkte und 12 Schnellladestationen davon 8 Autobahn
Pro Kommune 3,8 im Schnitt WUN
Pro Kommune 1,1 im Schnitt HOF
Bezogen auf Einwohner*innen:
LKR WUN 72.600 – pro Einwohner 1.116
LKR HOF 95.000 – pro Einwohner 3.064

Einwendungen gegen die Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Frankenwaldbrücke“

Verwaltungsgemeinschaft Lichtenberg/Issigau
Rathaus Lichtenberg
Marktplatz 16
95192 Lichtenberg

Einwendungen gegen die Änderung des Fächennutzungsplans und der Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Frankenwaldbrücke“

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Bund Naturschutz Hof nimmt zur Änderung des Flächennutzungsplans und Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Frankenwaldbrücke“ folgendermaßen Stellung:

Grundsätzlich stellt sich der Bund Naturschutz nicht gegen den Bau eines „touristischen Leuchtturmprojektes“ wie den Bau einer Hängebrücke über ein landschaftlich attraktives Kerbtal im Gebiet des Naturparks Frankenwald. Allerdings gibt es gegen die Planungen und in den Unterlagen des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes „Frankenwaldbrücke“ beschriebenen  Baus einer 1030 m langen Hängebrücke über das Naturschutz- und FFH Gebiet Höllental erhebliche Bedenken.

Fehlendes Raumordnungsverfahren ROV

 Vorhaben von erheblicher überörtlicher Raumbedeutsamkeit (Art. 24 Absatz 1 BayLplG) sind gemäß Art. 24 Abs. 2 BayLplG auf ihre Raumverträglichkeit in einem Raumordnungsverfahren zu überprüfen. Die erhebliche überörtliche Raumbedeutsamkeit folgt zum einen aus den erwartenden Besucherzahlen (hier schwanken die Zahlen zwischen 200.000 und 400.000 in den Planunterlagen) und deren Mobilität innerhalb des Planungsgebietes (Anfahrten in hohem Maße mit PKW, Parken rund um das Höllental, etc.) sowie den Auswirkungen des Eingriffs auf das NSG und FFH Gebiet Höllental durch die Größe der Baumaßnahme. Das ROV hätte den Raum des Frankenwaldes mit seiner Vielzahl von Kerbtälern als mögliche Kulisse für eine oder mehrere Hängebrücken systematisch untersucht und die Schutzgüter gegeneinander abgewogen. Sich beim Standort der geplanten längsten Hängebrücke der Welt auf den einzigen unter Naturschutz und FFH-Schutz stehenden Talzug zu konzentrieren, ohne mögliche Alternativen mit demselben Engagement und Akribie untersucht zu haben – wie es in einem ROV zwingend notwendig gewesen wäre, darf als schwerwiegender Planungsfehler gewertet werden. Auch die Größe des Planungsgebietes von 30 ha weist zwingend auf ein zwingend durchzuführendes ROV hin.

Die Verträglichkeit des Vorhabens mit den Zielen der Raumplanung ist daher zunächst in einem ROV zu überprüfen. Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass die Planungen den Zielen der Raumplanung angepasst sind.

Fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung

In der Anlage 1 des UVPG ist der Bau von Hängebrücken nicht als UVP-pflichtig beschrieben. Dennoch weist eine Vielzahl von vergleichbaren UVP-pflichtigen Tatbeständen auf eine für die Größe des hier beschriebenen Vorhabens UVP-Pflicht hin. Da ist zum einen die in den Entwürfen beschriebene beplante Fläche von 295.960 m² und die sich daraus ergebende Grundfläche von mehr als 100.000 m², die eine UVP Pflicht nachvollziehbar erscheinen lässt. Zum anderen sind die Auswirkungen des An- und Abreiseverkehrs auf den kleingliedrigen Raum des Planungsgebietes auf die Schutzgüter Natur und Umwelt als erheblich einzustufen und sollten zwingend durch eine UVP untersucht werden. Dann sind da noch die zu erwartenden Besucherzahlen, die die Brücke sehen und fotografieren aber nicht über die Brücke laufen wollen und dabei in großem Maße direkt im NSG Gebiet umherlaufen/klettern und dabei erhebliche Beeinträchtigungen auf die Schutzgüter zu erwarten sind. Diese Auswirkungen zu beschreiben und zu bewerten, eventuelle Maßnahmen zu benennen wäre zwingender Teil der fehlenden UVP.

Verstoß gegen das Naturschutzgesetz

Der geplante Bau der Frankenwaldbrücken sowie der Bau der Höllentalterrasse widersprechen dem absoluten Veränderungsverbot gemäß §23 Abastz 2 BNatSchG. Die in den Planunterlagen beschriebenen geplanten Bauten (Fundamente für Brücken, Abspannungen, Höllentalterrassen) würden zu einer Zerstörung von Teilflächen im bestehenden Naturschutzgebiet führen. Ebenso haben auch die Brücke selbst, die Brückenpfeiler eine andauernde negative Einwirkung auf das bestehende NSG. In §3 Abs. 4 der NSG Verordnung wird der Erhalt der landschaftlichen Schönheit und der Eigenart der Talhänge beschrieben – dies steht in Widerspruch zu den in den Planunterlagen geplanten Eingriffen beim Bau und Betrieb der Frankenwaldbrücken. Weiter soll die Vielfalt an Pflanzen und Tieren erhalten, die Lebensbedingungen für gefährdete und empfindliche Arten gewährleistet und verbessert sowie Störungen von ihnen ferngehalten werden – so die Schutzverordnung. Schwer vorstellbar, dass dies mit dem Bau einer über 1000 m langen Brücke über dem Schutzgebiet, baulichen Anlagen im Schutzgebiet und dem Strom von 200.000 bis 400.000 zusätzlichen Besuchern in und um das Schutzgebiet zu erreichen ist.

Verkehrssituation

Die in den Planunterlagen gemachten Angaben hinsichtlich der Verkehrsbelastung in den beschriebenen Räumen erscheint höchst unrealistisch. Auszugehen ist eher von einer Stoßbenutzung der Brücken an Schönwetterwochenendtagen von 7.000 bis 8.000 Besuchern pro Tag. Davon kommen erfahrungsgemäß 90 % mit dem PKW. Bei zwei Benutzern pro PKW ergeben sich dann bis zu 3500 zusätzliche PKWs in den Ortsdurchfahren Issigau und Hölle sowie am Ortseingang von Lichtenberg bzw. dem Wanderparkplatz bei Eichenstein. Diesen Verkehrsbelastungen wird in den Planunterlagen keineswegs Rechnung getragen und müssen zum Schutz der Bevölkerung und des Naturraumes neu erarbeitet werden.

Regionalplanung

In landschaftlichen Vorbehaltsgebieten soll den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege besonderes Gewicht zukommen – so eine Zielsetzung des Regionalplanes. Konkret übernimmt der Regionalplan Oberfranken Ost die Ziele des NSG Höllentales und dehnt die Gebietskulisse auch auf das umliegende Gebiet aus. Diese Ziele – Schutz empfindlicher Landschaften und des Naturhaushalts  – werden durch den geplanten und in den Unterlagen beschriebenen Bau einer 1030 m langen und in über 120 m Höhe verlaufenden Brücke mit Besucherterrasse und Einrichtungen gefährdet bzw. ad absurdum geführt. Doch nicht nur die hier geplanten Bauwerke sind mit den Schutzzielen unvereinbar. Auch die Inanspruchnahme des Schutzgebietes  und seiner unmittelbaren Umgebung durch 200.000 bis 400.000 zusätzliche Besucher wird die Schutzziele nachhaltig negativ beeinflussen. In der Karte Landschaftsbildbewertung des Regionalplanes ist das Höllental als Landschaft mit sehr hoher Bedeutung für das Landschaftsbild eingeordnet. Die exponierten Hänge und Kuppen, Terrassenkanten und ökologisch wertvolle Flächen sind von großer Bedeutung für den Erhalt des Charakters der Landschaft. Zum Erhalt sollen diese landschaftsprägenden Elemente von weithin sichtbaren Infrastruktureinrichtungen freigehalten werden – ein krasser Widerspruch zum Bau von 30 m hohen Pylonen in unmittelbarer Nähe.

Naturschutz

Das NSG und FFH Gebiet Höllental ist mit 160 ha das größte Schutzgebiet im Landkreis Hof und umfasst alleine 40 Prozent der gesamten unter Naturschutz stehenden Fläche im Landkreis. Eine Gefährdung dieses für den Naturschutz so wichtigen Schutzgebietes und Rückzugsraum kann und darf nicht passieren. Die in den Planunterlagen beschriebenen Maßnahmen zum Schutz und Erhalt der in diesem Schutzgebiet vorkommenden und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sind aufgrund der zu klein gewählten Gebiets- bzw. Untersuchungskulisse nicht ausreichend, um einen nachhaltigen Schutz zu gewährleisten.

Aus den o.g. Gründen fordert der Bund Naturschutz in Bayern e.V. daher zur fundierten Entscheidungsgrundlage für alle Beteiligten die Durchführung  eines Raumordnungsverfahrens mit Umweltverträglichkeitsprüfung und lehnt daher das in den vorliegenden unzureichenden Planunterlagen beschriebene Vorhaben des Baus einer 1030 m langen Hängebrücke über das NSG- und FFH Gebiet Höllental ab.

Hof, 02.03.2020
Bund Naturschutz Hof